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 24.11.2017

Lieber friedlich daheim.  Foto: Jure Ahtik/pixelio

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Trotz der Krise

Von Julius Müller-Meiningen / Rom

Randale, zerfetzte Trikots und ein einziges Tor. Der AS Rom spicht beim Derby gegen Lazio dennoch von "Aufschwung".


    Es war, wie es oft ist, wenn der AS Rom und Lazio im Derby aufeinander treffen. Der Lazio-Trainer Delio Rossi ließ sich von der Presse eine Woche lang kein Wort entlocken, die Roma-Präsidentin Rosella Sensi kam nicht ins Stadion. Beide sind wie viele Italiener äußerst abergläubisch und vertrauten auf anscheinend bewährte Rituale. Genauso hielt es ein harter Kern von Hooligans, die sich vor dem Spiel erst gemeinsam auf Polizisten stürzten, um dann später während des Spiels aufeinander loszugehen. 15 Polizisten wurden am Sonntagabend (16.11.08) verletzt, neun Tifosi festgenommen. Darunter waren offenbar auch ein Fan aus Schweden sowie einer aus München. Im Ausland weiß man längst: Bei Fußball in Rom kommen Schläger auf ihre Kosten.

Weil friedlich gesinnte Fans das auch wissen, sind Italiens Stadien nur noch selten ausverkauft. Selbst beim Derby am Sonntagabend blieben ein paar Tausend Plätze leer. 

Gewöhnungsbedürftig war allerdings, dass der AS Rom, Meisterschaftszweiter in der vergangenen Saison hinter Meister Inter Mailand, am zwölften Spieltag mit 14 Punkten Rückstand auf Lazio in das Derby ging. Dort verzaubert ein 21-jähriger argentinischer Dribbelkünstler namens Mauro Zarate die Fans und hat bislang schon sieben Mal für Lazio, das bis vor einer Woche auf Platz vier stand, getroffen. Auch am Sonntag wirbelte er, vielleicht etwas zu eigensinnig, und traf diesmal nicht. Mitspieler Sebastiano Siviglia schimpfte später: "Alleine gewinnt man Spiele nicht."

Dazu benötigte der Verein am Sonntag mindestens zwei. Zum Beispiel Francesco Totti und Julio Baptista, der nach einer präzisen Totti-Flanke das einzige Tor des Abends erzielte. Aus elf Metern köpfte der Brasilianer zum 1:0 ins Tor (50. Minute). 

Totti und Baptista, beide stehen für den bislang erstaunlich verkorksten Saisonstart des AS Rom. Der Stürmer Baptista, im Sommer von Real Madrid gekommen, da er oft unpräzise Pässe spielt, Bälle verliert und das Tor im Derby erst sein zweiter Treffer in der Serie A ist. Totti, weil auf dem 32-Jährigen immer noch alle Hoffnungen seines Vereins ruhen. Trotz schwerer und nie richtig ausgeheilter Knieverletzung setzt ihn Trainer Luciano Spalletti in den wichtigen Spielen ein. Und das sind zur Zeit alle. Beim Überraschungssieg gegen Chelsea in der Champions League (3:1) trieb Totti seine Mannschaft nach vorn, ebenso beim 1:1 vergangene Woche in Bologna. 

Mit dem Sieg im Derby ist die Roma, die Mannschaft, die in Italien in den vergangenen Jahren den attraktivsten Fußball spielte, gerade einmal auf Platz 14 nach oben gerückt.

Wenn sie versuchten, schön und schnell wie früher zu spielen, bekamen sie zuletzt stets Prügel, wie beim 0:4 zuhause gegen Inter Mailand. So scheint es, als sei das Rezept der Roma in den vergangenen zwei Wochen, hässlich zu spielen und zu punkten. Denn es war kein schöner Sieg im Derby. Der Ex-Leverkusener Juan und Stürmer Mirko Vucinic gingen mit zerrissenen Trikots vom Platz. Erst flog der Lazio-Spieler Cristian Ledesma nach Gelb-Roter-Karte vom Platz (66.), später auch Simone Perrotta (AS Rom, 87.). Bis auf Baptistas Kopfball gelang dem AS Rom, aber auch Lazio wenig. Zum Schluss mussten sie auch noch dankbar sein, dass Goran Pandev und der Schweizer Stephan Lichtsteiner ihre großen Chancen für Lazio vergaben.

"Rilancio", Aufschwung, ist dem Welttrend entgegen das Wort der Stunde beim AS Rom. Es sei Zeit, wieder nach oben zu schauen, sagte Roma-Abwehrspieler Christian Panucci nach dem Sieg. Nur oben, in der Tabelle, da gibt es aus der Hauptstadtperspektive mal wieder wenig zu lachen. Inter Mailand, AC Mailand und Juventus Turin besetzen die Plätze eins bis drei. Wie in alten Zeiten. Am  Samstag (22.11.08) steht dann das Derby d'Italia an, Inter spielt in Mailand gegen Juventus. 

Ganz oben im Norden, weit weg von Rom.


Julius Müller-Meiningen, geboren 1977, ist freier Redakteur in Rom. Nach seinem Studium der Germanistik absolvierte er die Berliner Journalistenschule und volontierte bei der Süddeutschen Zeitung. Seine Schwerpunkte sind Sportberichterstattung und Reportagen.



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In der Zeitung kein Platz mehr für den Text war.

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