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 30.03.2017
Bild Pferd von Helena, 8 J.
Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Pferd.  Zeichnung: Helena, 8 Jahre.

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Ruhig, Brauner

Von Ines Alms

Wenn du das Wort „Kaltblut“ hörst, denkst du an einen Vampir? Dann wirf am besten mal einen Blick in unser Pferde-Alphabet, bevor du einen Reitstall betrittst. 


    AUGE Es ist das wichtigste Sinnesorgan des Pferdes. Mit den seitlich am Kopf stehenden Augen können Pferde gleichzeitig nach rechts und nach links sehen und haben ein etwa doppelt so großes Blickfeld wie der Mensch. Richtig scharf erkennen sie allerdings nur das, was sie mit beiden Augen zugleich erfassen können.

BRAUNER Pferde lassen sich nach ihren Fellfarben unterscheiden: Die wichtigsten sind Brauner (braun oder rotbraun mit schwarzer Mähne und Schweif), Schimmel (weiß), Rappe (schwarz), Fuchs (rotbraun oder rötlich mit Mähne und Schweif in der gleichen Farbe oder heller), Falbe (sandfarben) oder Isabell (goldgelb). Schecken sind weiß mit braunen oder schwarzen Flecken.

CAMARGUE-PFERDE Seit Jahrhunderten lebt diese kräftige, kleine Rasse halbwild in der Sumpflandschaft Camargue, in Südfrankreichs Rhône-Delta. Nur weil diese Tiere so unerschrocken, schnell und wendig sind, können die »Gardians« (französische Stierhirten) mit ihrer Hilfe die berühmten schwarzen Bullen der Camargue fangen, die für Stierkämpfe gezüchtet werden.

DRESSUR Die Grundlage des Reitsports ist die Dressur: Sie soll den Pferderücken für den Reiter kräftigen und das Tier beweglich, gehorsam und empfänglicher für die helfenden Bewegungen des Reiters machen. Die früheste Aufzeichnung zur Dressur stammt aus dem Jahre 1400 v. Chr. von Kikkuli, dem Stallmeister eines Hethiterkönigs.

EISEN Das Horn der Pferdehufe wächst zwar stets nach, doch wenn sie sich viel auf hartem, steinigen Untergrund bewegen, nutzt sich die Hornschicht schneller ab – dann sollten sie ein Hufeisen tragen, das sie auch vor Verletzungen schützt.

FORTPFLANZUNG Nach Tragzeiten von rund elf Monaten bringen die Stuten ein, selten auch zwei Junge zur Welt. Schon wenige Stunden nach der Geburt rappeln sich die Fohlen auf und können der Mutter folgen. Das Füllen (Fohlen) eines großen Pferdes wiegt etwa 50 Kilogramm und trinkt 8 bis 10 Liter Milch täglich. Großpferde werden etwa 25 Jahre alt, Ponys leben 10 bis 20 Jahre länger.

GANGARTEN Der Takt und die Fußfolge des Pferdes ergeben eine Gangart. Man unterscheidet den langsamen Schritt – die üblichste Fortbewegungsart –, den mittelschnellen Trab und den schnellen Galopp. Manche Rassen, zum Beispiel die Isländer, beherrschen eine oder sogar zwei natürliche Gangarten mehr: den flotten Tölt und den leichtfüßigen Pass.

HERDE Pferde sind Herdentiere, die den Schutz der Gruppe suchen. Eine Herde besteht aus mehreren Stuten, einem Hengst und einer festgelegten Rangfolge. Unter den Stuten gibt es immer eine Leitstute, die die ganze Herde anführt.

INTELLIGENZ Pferde verfügen über ein phänomenales Langzeitgedächtnis und als Herdentiere über eine sehr hohe soziale Kompetenz, vergleichbar mit Delfinen oder Elefanten. Deshalb können sie auch die Stimmungen des Menschen sehr gut wahrnehmen.

JAGD Schon im Altertum jagte man zu Pferde. Heute ist es ein Hobby – trittsichere Tiere werden für die Schleppjagd eingesetzt, bei der die Pferde der Hundemeute auf einer künstlichen, zuvor durch einen Reiter gelegten Fährte, folgen.

KIANG Zu der Familie der Pferde gehören neben dem modernern Hauspferd verschiedene Zebra- und Eselarten. Zum Beispiel das Kiang, ein asiatischer Wildesel.

LASSO Eine der populärsten Disziplinen des Westernreitens ist das Calf Roping: Ziel ist es, ein rennendes Kalb in möglichst kurzer Zeit mit dem Lasso einzufangen. Die besten Reiter brauchen dafür nur wenige Sekunden – aber nur dank eines sehr reaktionssschnellen Pferdes.

MUSTANG Die Prärie-Indianer nannten sie „grasfressende Hunde“ (Suna wakan): Die amerikanischen ponygroßen Mustangs sind verwilderte Nachkommen europäischer Hauspferde, die Einwanderer mitbrachten. Die Zahl der überwiegend im Westen der USA lebenden Mustangs ist heute auf weniger als 25.000 Tiere geschrumpft.

NASHÖRNER Die grauen Riesen sind engere Verwandte des Pferdes als das Kamel! Es ist ein wichtiges, anatomisches Merkmal des modernen Pferdes, dass es nur noch mit der Spitze seiner Mittelzehe auftritt. Damit gehört es, ebenso wie die Nashörner und Tapire, zu den Unpaarhufern.

OHREN Pferde haben einen ausgezeichneten Hörsinn. Die Stellung der Ohren, das Ohrenspiel, sagt uns viel über die Stimmung des Pferdes. Nach vorne gestellte, aufrechte Ohren zeigen beispielsweise Aufmerksamkeit und Neugier. Nach hinten gelegte Ohren deuten auf Unwohlsein hin, und flach an den Kopf gelegte Ohren sind ein Zeichen für Angst oder Aggressivität.

PONY Jedes Pferd unter 148 cm Stockmaß (Messung am erhöhten Übergang vom Hals zum Rücken) ist ein Pony.

QUAGGA Das Quagga ist eine im Jahr 1883 ausgestorbene Zebra-Art und optisch eine Mischung aus Zebra und Pferd, bei dem nur der Kopf und der Hals gestreift waren.

RASSEN Heute gibt es mehrere hundert Pferderassen, die meist nach ihrem Temperament in Vollblut, Kaltblut, Warmblut und die Ponys unterteilt werden. Alternativ unterscheidet man sie beispielsweise nach ihrem Stockmaß in Klein- und Großpferde.

STRIEGEL Das Fell unter Sattel und Zaumzeug muss sauber sein, damit es beim Reiten nicht scheuert. Mit einem Striegel wird der gröbere Schmutz entfernt. Jedes Pferd sollte seinen eigenen Striegel haben, damit keine Bakterien oder Viren von Tier zu Tier übertragen werden.

TEMPERAMENT Je nach Wesensart unterscheidet man Kalt-, Warm- oder Vollblutpferde. Letztere sind leicht erregbare, elegante und schnelle Sportpferde arabischer Abstammung (Arabisches und Englisches Vollblut). Warmblüter sind temperamentvolle, edle Reitpferde, zu denen die meisten deutschen Pferderassen zählen (z.B. Hannoveraner, Trakehner). Kaltblüter haben einen sehr kräftigen Körperbau und ein ruhiges Wesen. Sie sind für schwere Arbeit wie das Ziehen von Brauereiwagen geeignet (z.B. Noriker, Shire-Horse).

URPFERD Der älteste bisher bekannte Vorfahr der heutigen Pferde ist das Eohippus. Es war ein fuchsgroßes Urpferdchen und lebte vor etwa 60 Millionen Jahren im Eozän, dem Erdzeitalter, in dem sich die Säugetiere rasch entwickelten (griechisch: eos = Morgenröte, hippos = Pferd).

VOLTIGIEREN Als Voltigieren wird das Turnen auf einem Pferd bezeichnet, das sich dabei an einer langen Leine (Longe) in einem Kreis bewegt.

WALLACH Ein Hengst ist ein männliches, zeugungsfähiges Pferd. Ein Wallach ist ein kastrierter Hengst, der nicht mehr fortpflanzungsfähig ist. Wallache sind daher oft ruhiger im Umgang und weniger stürmisch.

XYLOSE Der zahlreich vorkommende Holzzucker findet sich in Stroh und den Randschichten von Getreidekörnern, einer wichtigen Futterquelle für Pferde – die können Xylose besser verdauen als Menschen.

YIIIEHA! Während Menschen untereinander meist sprechend kommunizieren, verständigen sich Pferde weitgehend über Gebärden und Mimik. Wenn Sie wiehern, möchten sie damit klagen, warnen, Wohlbehagen äußern oder einfach Kontakt aufnehmen – denn auch Pferde erkennen sich untereinander an der „Stimme“.

ZÄHNE Die Anzahl der Zähne, die Beschaffenheit der Kauflächen und die Stellung des Gebisses ermöglichen Experten, das Alter eines Pferdes ziemlich genau zu schätzen. Aus der Tradition dieses Kennerblicks entstand die Redensart „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“.

Ines Alms, geboren 1977, studierte Ökotrophologie, volontierte beim Gräfe und Unzer Verlag und absolvierte die Burda Journalistenschule. Sie arbeitet als Redakteurin bei BurdaYukom Publishing in München. Ihre Schwerpunkte sind Ernährung und Gesundheit.



Nicht erschienen, weil

Der Auftraggeber nannte keinen Grund.

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